Da weinte Jesus.
Ein Träne rinnt aus dem Auge. Auch, wenn ich nicht weiß, warum, berührt es mich. Mich lässt das nicht kalt. Hoffentlich lässt Leid niemanden kalt. Trösten. Linderung, Da-Sein ist gefragt. Immer mehr vermisse ich das. Ich ärgere mich, dass Menschen andere einteilen in solche, die das Mitgefühl verdient haben und solche, die sich ja wohl selbst helfen müssten. Menschen erster und zweiter Klasse? Das geht mit meinem Verständnis von Menschsein nicht überein. Tränen der Wut möchte ich da weinen.
Jesus weint auch. Jesus zeigt seine Gefühle offen. Wut und Trauer sind ihm genauso wenig fremd wie die Freude. Und Jesus ist kein „harter Mann”, sondern steht zu seinen Gefühlen.
Wie ist das bei Ihnen? Stehen Sie auch zu Ihren Gefühlen oder fressen Sie die Dinge eher in sich hinein?
„Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte” In der Geschichte des verstorbenen Lazarus geht es um ganz viele Gefühle, starke Gefühle. Seine Schwestern Marta und Maria weinen. Die Menschen weinen, Jesus weint. Gefühle sind echt, sie einfach wegzuschieben funktioniert nicht. Irgendwann brechen sie heraus. Warum nicht gleich den Gefühlen im Miteinander Raum geben? Die Fastenaktion der evangelischen Kirche in diesem Jahr macht uns Mut, zu unseren Gefühlen zu stehen, ohne Härte gegen sich und andere. Passionszeit: Jesus folgen mit ganz vui Gfui!
Pfarrer Norbert Ehrensperger