Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. - Joh. 20,29
Thomas hatte den entscheidenden Moment verpasst, konnte kaum glauben, dass Jesus leben soll. Erst die direkte Begegnung mit dem Auferstandenen nahm seine Zweifel weg. Der zweite Satz des Monatsspruchs ist an diejenigen gerichtet, die diesen Bericht im Johannesevangelium lesen: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Viele haben seitdem dieser Botschaft von Jesu Auferstehung vertraut und in ihrem Leben seine Nähe gespürt – ohne ihn selbst gesehen zu haben. Manchmal wünschte ich mir, dass ich live dabei gewesen wäre. Dann wäre alles klar, dann würde ich auf meine Fragen und Zweifel Antworten finden. Aber wir sind heute weit weg von diesen Ereignissen. Wir können kein Faktencheck-Team ins Jerusalem des Jahres 30 schicken. Doch wir erleben, welche Auswirkungen das Geschehen von damals bis heute hat: Aus einer verängstigten kleinen Gruppe wurde eine weltweite Bewegung des Glaubens und der Nächstenliebe. Und noch heute erfahren Menschen Gottes Liebe und Nähe in ihrem Leben.
Glauben zu können ist ein Geschenk. Für mich gehören aber auch Fragen und Zweifel dazu. Sie zeigen mir, dass mein Glaube lebendig ist, dass ich weiter auf der Suche bin – und dass ich, im Gegensatz zu Thomas, Jesus nie ganz „greifen“ kann. Vielleicht ist gerade dieser suchende, fragende Glaube der Glaube, den Jesus selig nennt – ein Glaube, der unterwegs bleibt.
Daniel Hufeisen, Pfarrer in St. Martin