Angedacht

Andachten zum Nach- und Wiederlesen

Offene Türen - Andacht zur Jahreslosung 2022

Jesus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Johannes 6,37

Immer wieder habe ich angerufen. Die Freundin ging nicht ans Telefon. Ich hinterließ eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, schrieb mehrere E-Mails. Keine Antwort. Irgendwann verstand ich: Sie wollte nichts mehr mit mir zu tun haben. Das war bitter. Ich fühlte mich abgelehnt, abgewiesen, hinausgestoßen. Schließlich bat ich in einem Brief, sie solle mir bitte erklären, was denn schief gelaufen sei zwischen uns. Das tat sie dann auch. Sie schrieb, wir hätten uns auseinandergelebt. Ich konnte ihre Sicht der Dinge sogar zu einem Teil verstehen, aber die Kälte der Ablehnung tat weh, der Riss zwischen uns ließ sich nicht mehr kitten.

In der Jahreslosung 2022 verspricht uns Jesus das Gegenteil: Bei ihm dürfen wir ankommen, so wie wir sind. Mit all unsern Fehlern und Schwächen, mit unseren Fragen und Zweifeln. Er macht uns sozusagen die Tür weit auf. Wir sind willkommen bei ihm. Das setzt voraus, dass uns an dieser Begegnung etwas liegt, dass wir uns auf den Weg machen, seine Tür suchen, bei ihm anklopfen. Aber diese offene Tür gilt nicht nur uns, sondern auch anderen Menschen. Da 
geht es nicht um einen exklusiven Zugang für einen erlauchten Kreis, sondern um offene Arme für alle „Mühseligen und Beladenen“. Und dazu gehören wir auch.

Christen sind Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt. So ähnlich hat es der Theologe Friedrich von Bodelschwingh ausgedrückt. Anderen zu sagen, wo es dieses Brot des Lebens gibt, dass uns das immer wieder gelingt, das wünsche ich Ihnen, mir und unserer ganzen Gemeinde für das neue Jahr.

Ute Baumann
 

 

Werden - Dezember 2021

"Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr."
Sacharja 2,14 

„Tochter Zion, freue Dich!“ Vielleicht haben Sie beim Lesen des Monatsspruches gleich das passende Adventslied im Kopf? Auch wenn man es gedanklich unter Weihnachten abgespeichert hat, es ist ein Adventslied. Eines, das von Vorbereitung erzählt, von freudiger Erwartung.

Sacharja, der Prophet, ruft auf zur freudigen Erwartung. Der Herr ist noch nicht da, aber er kündigt sein Kommen an: „Ich will bei Dir wohnen“. Gott will bei seinen Menschen wohnen, sein Sohn kommt als Mensch auf diese Welt. Jesus wird als kleines Baby im Stall geboren, wir kennen die Geschichte. Und doch ist sie so viel mehr als nur eine Geschichte; es ist die Geschichte Gottes mit seinem Volk, mit seinen Menschen. Wir sind in die Geschichte dieses Volkes hineingenommen, in die Traditionen des Alten Bundes, in die Verheißungen der Propheten. Und hier ruft einer uns auf: Freuen sollen wir uns!

Und zwar nicht, weil wir etwas haben, sondern weil es sein wird. Die Vorfreude, die Hoffnung, die Erwartung ist schon wichtig. Das Werden hat einen eigenen Wert. Der Herr kommt.

Nehmen Sie sich doch Zeit, sich über das Werden zu freuen in diesem Advent. Noch nicht alles ist (schon), es wird (erst). Damit leben wir täglich, aber es muss nicht alles schon bestehen, sondern manchmal sind die Prozesse des Werdens schon gut für sich genommen. Lassen Sie es werden, gemeinsam mit Gott: Weihnachten, Miteinander, Friede auf Erden!

Pfarrer Norbert Ehrensperger

 

 

Warten - November 2021

"Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus." 2. Thessalonicher 3,5

Warten auf Christus? Wie lange soll das denn dauern? Da haben doch schon die ersten Christen umsonst gewartet. Da kann man doch nicht ernsthaft denken, dass sich da noch was bewegt

Ja es stimmt! Viele Jahrhunderte sind vergangen, seit Jesus nicht mehr auf der Erde lebt. Und schon die urchristliche Gemeinde hat es nicht leicht gehabt mit dem „Warten“. Paulus schreibt im Jahre 50 n. Chr. im 1. Brief an die Thessalonicher im 5. Kapitel, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Er bittet die Gemeinde deshalb, wachsam zu bleiben. Sie sollen beharrlich sein im Glauben an die Liebe Gottes und die frohe Botschaft des Evangeliums verbreiten. Darum sollte sich die urchristliche Gemeinde bemühen.

Ganz leicht gefallen ist das der christlichen Gemeinde wohl schon damals nicht. Aber darum geht es wohl auch heute noch. Die Frage, die Menschen damals und heute wohl gestellt haben, war doch ein und dieselbe. Was sollen wir in einer solchen Situation tun? Einfach auf bessere Zeiten warten und hoffen, das Jesus wiederkommt?

Die Antwort ist klar. Schon hier und jetzt können wir uns auf den Weg machen und die Liebe Gottes sichtbar werden lassen. Mit jedem guten Wort, mit jeder Versöhnung und wenn wir auf unseren Nächsten zugehen, kommt Christus in unser Leben. Wir müssen nicht darauf warten, dass Christus kommt und sein Reich anbricht. Hier und jetzt können Menschen die Liebe Gottes erfahren. Das Reich Gottes bricht immer dann an, wenn Menschen seine Liebe und Treue weitergeben. Und dann einmal in der Herrlichkeit seines Reiches. Wir müssen nicht einfach auf bessere Zeiten warten. Mit Gottes Hilfe können wir ganz viel dafür tun, dass Gottes Liebe in unser Leben und das Leben unseres Nächsten kommt.

Sybille Hellinger

Tageslosung