Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Amos 5, 26
Das Land, in dem er lebte, sein Heimatland, stand wirtschaftlich recht gut da und trotzdem gab es zunehmend große Missstände zu beklagen. Nicht Recht und Gerechtigkeit herrschten, sondern wer Macht und Einfluss hatte, glaubte, mehr Rechte zu haben als Arme und sozial niedriger gestellte Menschen.
Es herrschte Willkür und offensichtlich waren nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Gerechtigkeit hing von der Konjunktur, der politischen Stimmung oder persönlichen Vorteilen ab.
Da hinein tönen die Worte des Propheten Amos. Er prangert im Namen Gottes die unguten Zustände an. Dabei verwendet er Metaphern aus seiner Heimat, dem trockenen Tekoa. Wasser ist im Orient kostbar und überlebenswichtig.
Wenn Amos fordert, dass das Recht „strömen“ soll, meint er kein kleines, braves Rinnsal. Er fordert einen gewaltigen Fluss, der über alles Trockene, Ungerechte und Erstarrte strömt, es nährt und Leben spendet. Denn Gott will für alle Menschen da sein. Seine Liebe gilt allen.
Daher sollen auch alle vor dem Gesetz gleichbehandelt werden. Gott als Anwalt der Menschenrechte! Es geht um echte, dauerhafte Gerechtigkeit. Ein „nie versiegender Bach“ ist das Gegenteil eines Wadis, das im Sommer austrocknet. Gottes Gerechtigkeit aber ist verlässlich und beständig.
Und das ist sein Auftrag: Glaube und gelebte soziale Verantwortung gehören untrennbar zusammen.
Recht und Gerechtigkeit.
Das Ringen darum sollte uns alle Mühe wert sein.
Karin Wildt, Pfarrerin am Klinikum