An Pfingsten wachsen wir über uns hinaus

Glasfenster mit Taube, Heilig-Geist-Kirche
Bildrechte Eva Siemoneit-Wanke

Karfreitag 2022: Unser Kirchenraum ist zum Klageraum geworden. Die Pfarrer haben den Taufstein geflutet. Du kannst im Wasser eine brennende Kerze schwimmen lassen. In Gedanken kannst Du zurückgehen zu Deiner eigenen Taufe: Wie das wohl damals war, als Gottes Heiliger Geist bei Deiner Taufe anfing Dich durchs Leben zu tragen und zu bewegen wie das Wasser jetzt die Kerze? Einige Menschen haben dies getan (s. Foto) und damit ein schönes Spiegelbild für die Heilig-Geist-Taube gezaubert. Ein bisschen so wie damals, im ersten Kapitel der Bibel, da schwebte Gottes Geist über den Wassern. Wie ein Wind, ein Hauch, eine Bewegerkraft:
Ruach (hebräisch).

Gottes Geist muss also von Anfang etwas Dynamisches gewesen sein. So wurde auch die Taube seit der Erzählung von Jesu Taufe Symbol für den Heiligen Geist. Diese Taube krönt das Fenster in der Taufkapelle unserer Kirche. Vom Himmel kommt Gottes Geistkraft über den Menschen, der da in der Taufe gerade Ja sagt zu Gott. An Pfingsten begegnet uns die Taube wieder, auch wenn von ihr nichts in der biblischen Pfingstgeschichte steht: Die Versammelten werden von Gottes Geist
erfüllt. Es braust und saust, sind das gar Flammen auf den Köpfen? Göttliche Kraft durchflutet die elektrisierte Menge. Gottes Geist strömt von oben herab und verzaubert die Staunenden zu einem entzückten Miteinander, eine verrückt-bewegte Geschichte - Action pur.

Nun gehen wir in unserer Kirche Heilig Geist im nächsten Jahr auf das 60-jährige Bestehen zu und fragen uns vielleicht wie das mit dem Wirken des Heiligen Geistes in den sechs Jahrzehnten der Gemeinde war. Was hat uns getragen wie das Wasser die Kerzen, was hat uns entzückt, bewegt, in Erstaunen versetzt? In der biblischen Pfingstgeschichte wachsen die Menschen mit Gottes Heiliger Geistkraft über sich hinaus. Wie ist das bei uns? Zahlenmäßig sind wir ja eher auf Schrumpfkurs. Wachsen wir anders oder reifen wir? Was bewegt uns und wer und wohin? Viele dieser Fragen werden nicht an Pfingsten einfach ihre Antworten finden, schon gar nicht endgültige. Aber Fragen sind immer neugierige Doppelpunkte, Sehnsuchts-Plattformen, von denen aus wir Ausschau halten, wie Gottes Ruach die Kirche von morgen bewegt.

Vielleicht ja so: „Eine junge und schöne Kirche, manchmal träume ich davon, eine tanzende Kirche mit Blumen im Haar, ein großes, fröhliches Kind, himmelhochjauchzend verzückt, mit geschlossenen Augen, verrückt vor Liebe in deinen Armen, Jesus, an dich geschmiegt, die Schönste von allen. Manchmal sehe ich sie schon mit meinen Augen, diese junge verliebte Kirche, in all diesen großen Kindern und in diesen ausgewachsenen Leuten, die immer noch ein bisschen wie Kinder sind.“ (Lothar Zenetti)

Pfarrrin Eva Siemoneit-Wanke