Einfach mal wieder durchatmen

Jetzt kommt erstmal das große Durchatmen. Auch wenn man keine Kinder hat, die die Schule besuchen, sind die „großen Ferien“ doch ein spürbarer Einschnitt. Es ist Sommerpause, viele fahren die alltäglichen Aktivitäten runter, erst im Herbst, wenn die Schule wieder anfängt, fängt auch das restliche Leben wieder an. Und das können wir brauchen, wenn wir ehrlich sind. Nach zwei Jahren der Pandemiebeschränkungen habe ich das Gefühl, es wird alles in die Sommermonate gepresst, was zwei Jahre nicht stattfinden konnte. Weil im Herbst weiß man ja auch nicht…

Aber ist es das schon? Alles vorbei? Alles ganz normal, jetzt schon wieder? Viele sind von dem Termindruck direkt schon überfordert. Planen? Sich langfristig festlegen? Das haben wir schon verlernt. Immer noch sind auch viele vorsichtig, denen das Ganze einfach zu schnell geht. Und in der aktuellen Lage, wo sich Krise auf Krise türmt, kann einem das Ganze schon auch gern mal zu viel werden. Aber wie damit nun umgehen? Die Bibel kennt solche Problemstellungen auch und die Erfahrungen der Menschen damals spiegeln sich in unseren heutigen wider. Auch dort kennen Menschen die Herausforderung, dass einfach alles zu viel wird. Bereits die alttestamentliche Weisheit, die als Grundaufgabe hatte, das Leben zu ordnen und zu verstehen, rät, allem seine jeweilige Zeit zu geben. Ich gehe jetzt mal davon aus, Sie kennen den Prediger: „Alles hat seine Zeit…“

„Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ So fragt Jesus im Markusevangelium (Mk 8,36f.) und weist damit deutlich auf die Gefahr hin, alles nur auf irdische Ziele zu setzen und auf das Wesentliche, seine Seele, nicht zu achten. Und das entlastet mich, weil ich mir von ihm sagen lassen kann, ich muss nicht alles erreichen, alles schaffen oder überall dabei sein. Das habe ich nicht nötig. Vielmehr soll ich auf mich und meine Seele achten und die braucht dringend auch Ruhepausen.

Unbedingt notwendig sind solche Momente zum Durchatmen, weil ich nicht nur immer auf Hochspannung bleiben kann. Zwischendurch muss ich auch runterfahren können mit Dingen, die mir guttun, um daraus wieder neue Kraft zu schöpfen. Jesus hat sich auch zurückgezogen, wenn ihm alles zu viel wurde. Er ist auf einen Berg gestiegen oder mit dem Boot auf den See hinausgefahren. Die Leute sind ihm trotzdem gefolgt, wirklich Ruhe hat er letztlich nicht gefunden. Aber auch die Zeit, bis die Menschen wieder zu ihm vorgedrungen waren, müssen solche Durchatem-Momente gewesen sein, weil er sich ihnen wieder ganz widmen konnte. 

Jetzt sind wir nicht Jesus und müssen das auch nicht sein. Die Rettung der Welt liegt zum Glück in anderen Händen als den unseren. Aber manchmal haben wir das Gefühl, ohne uns geht es nicht. Und da möchte ich von Jesus lernen: Ich muss auch loslassen. Ich muss mich zurückziehen, vielleicht auf ein Gebet mit Gott, ein anderes Mal mit Aktivitäten oder mit Menschen, die mir guttun. Ich muss Kraft tanken und auf meine Seele achten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne, erholsame, seelenfütternde Sommerpause.


Pfr. Norbert Ehrensperger